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Die innere Ruhe kann mich mal

Im Original heißt das Buch: „Lassen Sie sich in Frieden! Und beginnen Sie zu leben“ und dieser Titel gibt einen guten Eindruck davon, was der Autor vermitteln will.

Fabrice Midal, Philosoph und Gründer der Ècole occidentale de méditation, wendet sich in diesem Buch gegen eine Funktionalisierung der Meditation als „Heilmittel zur Beruhigung“ für Menschen, diesich dem „gesellschaftlichen Imperativ“ (S.49) unterwerfen, unter allen Umständen „cool“ zu sein: bei starken Emotionen „loszulassen“, keine Emotionen zu zeigen und möglichst nicht aufzufallen.

Wer „Meditation“ in Suchmaschinen eingibt, erhält in der Tat schnell Ergebnisse wie: „WasMeditation bringt“.
Und was „bringt“ Meditation? „Meditation macht dich ruhiger, entspannter, gelassener und auch glücklicher“. Oder auch: „Meditation macht nachweislich gesund, glücklich und leistungsfähig“.

Fabrice Midal findet diese Haltung, Meditation als „Methode“ anzusehen, „um uns noch leistungsfähiger, erfolgreicher und ruhiger werden zu lassen“, „einfach das Letzte“. (S.43).

Für ihn ist Meditation etwas ganz Anderes: „Das recht handfeste Arbeiten mit Schmerz, Verwirrung und der gesamten Bandbreite unserer Emotionen.“ (S.44) Eine Haltung „des völligen Präsentseins“ (S.57) mit dem Ziel: „uns mit der Wirklichkeit, so, wie sie ist, in Kontakt zu bringen, also uns selbst in
Frieden zu lassen, sodass wir akzeptieren können, was wir erleben und wie wir es erleben. Ob wir dabei ruhig sind, ist Nebensache.“ (S.53)
Dieser Gedanke wird jedem, der die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) kennengelernt hat,sicher vertraut vorkommen!

Und noch ein Zitat zu dieser Übereinstimmung:
„Ich vergleiche Gedanken, Geräusche und Gefühle mit mehr oder weniger hohen Wellen auf der Oberfläche des Ozeans. Wie hoch diese Wellen auch sein mögen, sie hindern uns nicht, das Meer selbst zu sehen und seine Tiefe zu empfinden. So betrachtet, heißt „in Frieden zu sein“ nicht, dass wir angesichts der Verwirrung und des Chaos den Kopf in den Sand stecken. Ich darf traurig sein, weinen, mich vor Kummer auf dem Boden wälzen. Alles in allem ist das nicht so tragisch, denn es geht vorbei.

Ich definiere mich nicht über diesen Kummer, ich bin nicht ausschließlich dieser Kummer, ich bin mehr als dieser Kummer. Also kann ich ihn leben und muss ihn nicht kontrollieren oder ablehnen. Er hat in meiner Meditation seinen eigenen Platz. Wenn ich das Meer betrachte, höre ich auf, die Aufmerksamkeit auf die einzelnen Wellen zu richten. Nicht um mich zu beruhigen, sondern weil ich mit mir Frieden geschlossen habe. Und schon stelle ich fest, dass sich in mir etwas geklärt hat.“ (S.57/58).

Fabrice Midal: Die innere Ruhe kann mich mal. Meditation radikal anders.

Erschienen bei dtv, 2020 zum Preis von 9,90 Euro

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